Hannover - Auf eine nicht gerade als ideal zu bezeichnende Saison blickt Stefan Wegner zurück, wenn er das Jahr 2008 Revue passieren läßt. "Leider war die letzte Saison geprägt von Verletzungspech und dem Ausfall von vielen Leistungsträgern, so dass wir auf nur 97 Starts kamen" resümiert Stefan Wegner.
Unter diesen Umständen war das Resultat von 17 Siegen und einem Schnitt von 18 Prozent mehr als beachtlich. "Wir haben das Beste draus gemacht", so Wegner. Ein kleiner Schönheitsfehler war die Angelegenheit mit Maxxwell, dem nach Bekunden des Trainers von dritter Seite eine Substanz verabreicht wurde, die zu einem unfreiwilligen Berührungspunkt mit dem Dachverband führte. "Aber nun blicken wir nach vorne", schließt der Coach das letzte Rennjahr ab.
Der fleißige Horseman selbst absolviert derzeit parallel zu seinem Job am Stall eine Ausbildung zum Pferde-Physiotherapeuten. "Meine erworbenen Kenntnisse werde ich in regeläßigen Abständen auffrischen, um immer auf den neusten Stand zu sein. Langfristig möchte ich mir damit ein zweites Standbein aufbauen" berichtet Wegner über seine knapp bemessene Freizeit, von denen sein Trainingsbetrieb zukünftig in erheblichen Maße profitieren sollte. Auch seine eigene Fitness lässt der Trainer nicht außer Acht. Einmal in der Woche trainiert der fußballbegeisterte Ex-Weltmeister der Hindernisjockeys bei den Fußballern der 2. Herrenmannschaft des TSV Krähenwinkel/Kaltenweide, was als Ausgleich zum Alltag und als Gegengewicht zu seinen hervorragenden Kochkünste angesehen wird, für die der Trainer allseits viel Lob erhält.
Bester Stimmung und mit vollem Elan wurde die neue Saison angegangen und auf der Dortmunder Sandbahn bereits der erste Sieg durch Super Eagle eingefahren.
Mit 22 Kandidaten wird man in die Grassaison starten, wobei es einige interessante Neuzugänge zu verzeichnen gibt. "Wir sind gut aufgestellt, haben eine gute Struktur und Mischung im Stall, so dass wir voller Optimismus in das neue Rennjahr gehen", äußert sich Stefan Wegner. Vermehrt sollen in diesem Jahr die Rennbahnen im benachbarten Frankreich als Ziel angesteuert werden, aber natürlich werden auch die Bahnen im Umkreis eine Rolle spielen. Die Jockeyfrage soll dabei von Fall zu Fall entschieden werden, womit man in der Vergangenheit sehr gut gefahren ist.
In diesem Zusammenhang lobt Stefan Wegner vor allem den Job von Rüdiger Alles, dem als Jockeymanager eine sehr gute und professionelle Arbeit bescheinigt wird.
Das Zweijährigen -Lot wird angeführt vom Schimmelhengst
Angiolini
einem Areion-Sohn, für den eine Nennung im Preis des Winterfavoriten abgegeben wurde. Allein dass sollte bereits die Wertschätzung am Stall unterstreichen, die er genießt. "Er muss nun zeigen, ob er den Erwartungen gerecht werden kann. Er hat sehr gute Bewegungen und einen tollen Charakter" erklärt der Trainer und ergänzt "nach den Eindrücken der ersten Lektionen bin ich mit ihm sehr zufrieden."
Ähnlich zufrieden äußert sich Stefan Wegner über die großrahmige Black Sam Bellamy-Tochter
Genie, die allerdings noch einige Zeit benötigen wird. "Ihre Mutter Gibralta hat sehr viele gute Pferde gebracht. Genie hat gute Bewegungen und macht ihre Sache morgens "ausgezeichnet", lautet das Urteil von Wegner.
Neues Klientel am Quartier vertritt der Stall Mimmi and friends, in dessen Farbe die Kingsalsa-Tochter
My Song antreten wird. "Sie verkörpert ein tolles Modell und ist charakterlich eine feine Stute, die gut zu händeln ist., formuliert es Stefan Wegner. Als Orientierung wird für die Stute der Preis der Winterkönigin genannt.
Von den Dreijährigen wird man den Big Shuffle-Sohn
Glad Royal als erstes am Ablauf sehen. Zweijährig noch etwas unscheinbar, hat er zwischenzeitlich eine gute Entwicklung durchgemacht. Der Auenqueller präsentiert sich nun wie ein richtiges Rennpferd und sollte den Erwartungen gerecht werden können. "Sein Ziel wird das Dresdner Auktionsrennen sein", lautet die festgelegte Marschrichtung des Trainers.
Ein interessanter Vertreter des Quatiers dürfte auch
Lugones sein, für den auf Besitzerseite die meisten Herzen schlagen werden, da der Areion-Sohn den Farben des des kopfstarken Galopp Club Bremen e.V. zu Ehren verhelfen soll. Auch er gilt, nicht nur nach Abstammung, als eine großer Hoffnungsträger des Stalles. Der Hengst verfügt über eine raumgreifende Galoppade, wird aber als sehr großrahmiges Pferd noch etwas Zeit benötigen.
Ebenfalls von Areion stammt die kleine, aber flinke Stute
Namastee, die zweijährig auf der Hannoverschen Hausbahn bereits am Start war und dabei durchaus schon Talent verraten hat.
Erst kürzlich ihre Box bezogen hat
Perla, deren Mutter Parität schon einige überdurchschnittliche Produkte, wie Persico oder Proventus, gebracht hat. Die Noble Prize-Tochter präsentiert sich bereits ausbalanciert und leichtfüßig, doch sollte sie noch entsprechend Zeit benötigen, bevor man sie erstmals am Ablauf sehen wird.
Beim älteren Semester kann man aus einer ganz Fülle von bewährten Handicappern schöpfen, die zu den Leistungsträgern und Punktesammlern zählen sollten. Den Anfang machten hierbei die beiden Vertreter von Erich Oehlschläger, die fünfjährige Goofalik-Tochter
Baracoa sowie ihren siebenjährigen Halbbruder Baradero. Während Baracoa, deren Mutter Brazzaville aus einer Schlenderhaner Linie stammt, vierjährig noch nicht herausgebracht werden konnte ("sie verfügt aber über ein tolles Exterieur und wird bestimmt nicht lange sieglos bleiben"), hat sich
Baradero toll gesteigert und avancierte zum Saisonende durch Erfolge in Dresden, Köln und nochmals Dresden sogar zum Seriensieger, der eine echte Triplette hingelegt hat. "Es ist im zuzutrauen, das er auch mit den gehobenen Ansprüchen zurechtkommen wird."äußert sich Stefan Wegner und fügt hinzu, "Wenn dann auch noch die Kombination 1500 Meter, elastischer Boden und Eddie Pedroza hinzukommt, dann sollten die Weichen auf ein schnelles Laufen gestellt sein". Ohnehin scheint auch Erich Oehlschlägerauf dieses Zusammenwirken "abzufahren", denn der passionierte Besitzer und Züchter aus Neustadt betont gerne voller Begeisterung, "dass Baradero in Eduardo Pedroza wohl seinen Meister gefunden hat".
Auszeichnen konnte sich in der vergangenen Saison auch
Classic Fire, der seiner Besitzergemeinschaft mit zwei Siegen in Hannover und Bad Doberan sowie einigen Platzierungen viel Freude bereitet hat. Eine ähnliche Bilanz sollte mit den formkonstanten Burschen auch in diesem Jahr gelingen. Einen Grundstein dafür hat der Sechsjährige bei seinem Saisondebüt in Dortmund in Form eines dritten Platzes bereits gelegt.
Als frecher Schimmel und Stall-Kasper wird
Cromat bezeichnet. "Er ist einfach immer zu Späßen aufgelegt" umschreibt Stefan Wegner seinen Charakter. Es sollte für einen Sieg auf der Flachen gut sein, wurde aber auch eingesprungen und wird behutsam an den Hindernissport herangeführt. "Er ist eigentlich gar kein Typ zum Springen, ist aber ganz Feuer und Flamme für dieses Metier, was uns sehr überrascht hat. Er hat tolle Reflexe, so das wir seiner weiteren Entwicklung auf der Hindernisbahn mit großer Spannung entgegensehen", so der Coach über seien fünfjährigen "Unterhaltungskünstler".
Dagegen benötigt der bildschöne Lando-Sohn
Gupido noch seine Zeit zur Entwicklung. "Er ist auf guten Boden angewiesen und wird sich zu steigern wissen" so sein Betreuer.
Eine tolle Performance kann man
Lady Di bescheinigen. Die Samum-Tochter ist Spezialistin für lange Wege und schweren Boden. Die fünfjährige Stute des Stalles Adeline steigerte sich von Ausgleich IV bis in den Ausgleich II und krönte ihre Saison im zweithöchsten Handicap mit einem überlegenden Sieg in Mülheim über die Marathondistanz von 2950 Meter, was sich in einem GAG von 80 Kilo niedergeschlagen hat. "Das Saisonziel heißt bei Ihr Black Type, was sie nach Frankreich führen könnte" äußert sich Stefan Wegner eine Auslands-Option. Gleichzeitig gibt Stefan Wegner aber zu bedenken, das die Stute charakterlich als ein sehr schwieriges Pferd gilt, das in keinster Weise leicht zu händeln ist und ganz speziell auf jedes Rennen eingestellt werden muss. "Ihr ausgezeichnetes Galoppiervermögen entschädigt aber für vieles" so Wegner.
Wahrscheinlich nicht mehr am Start erscheinen wird Hinderniscrack
Maxxwell. Der inzwischen elfjährige Zinaad-Sohn und Oldie des Stalles wird bei seiner Besitzerin Anne-Katrin Jänsch in Kürze seinen wohlverdienten Lebensabend verbringen. Doch ist das allerletze Wort in dieser Angelegenheit wohl noch nicht gesprochen.
Auf eine stolze Bilanz kann
Margie's World zurückblicken. Der fünfjährigen Spinning World-Tochter sind in ihrer Karriere bisher vier Siege und fünf Platzierungen gelungen. "Die Stute verdient ein ganz dickes Kompliment. Sie hatte eine lange Saison, verfügt über einen feinen Charakter, ist belastbar und hat bis zuletzt immer Biss gezeigt. Es sollte bei ihr noch Steigerungspotential vorhanden sein, so dass wir davon ausgehen, dass sie vor einer guten Saison stehen wird. Black Type sollte bei ihr ein Kriterium sein", ist sich der Trainer sicher.
Nach überstandenem Griffelbeinbruch gehört nun auch wieder
Owentuo zu den Anwärtern, die auf Punktejagd gehen werden. Dass der sechsjährige Areion-Sohn noch über die alte Klasse verfügt, hat er am zweiten Weihnachtstag in Deauville gezeigt, als im Prix du Home ein dritter Platz heraussprang. "Er wird Kurs auf die einschlägigen Listenrennen nehmen, wobei auch weitere Frankreich-Starts auf seiner Agenda stehen könnten", so der Coach.
Eine mehr als passable Saison absolvierte im vergangenem Jahr der kaptiale Alkalde-Sohn
Siegmund, dem drei Siege gelungen sind, darunter ein Treffer während der Hamburger Derbywoche. "Natürlich wird die Luft nun dünner, doch einen Ausgleich II sollte er sich in diesem Jahr noch schnappen", ist sich Stefan Wegner sicher.
Einen tollen Jahresauftakt hat
Super Eagle hingelegt. Nach dem er auf der Dortmunder Sandbahn im Januar die Plätze zwei und drei herausgesprungen waren, war Anfang Februar an Ort und Stelle der erste Saisontreffer fällig. "Er hat nach längerer Zwangspause eine ganz tolle Serie hingelegt. Verkaufsrennen in Frankreich könnten in dieser Saison eine weitere Option für ihn sein", so Wegner über den fünfjährigen Auenadler-Sohn aus dem Stall Sylt.
Wild Bill Tracey hat bereits gute Formen gezeigt. "Er sollte trotz seiner recht anspruchsvollen Marke zu seinem Recht kommen und nicht mehr lange sieglos bleiben", urteilt Stefan Wegner pber den Bahamian Bounty-Sohn, der zu Beginn des vergangenen Jahres noch auf der Insel unter der Regie von Trainer Mark Wallace am Ablauf war.
Einen würdigen Abschluß der Stallparade bietet der elfjährige Oldie
Wilna, der als absoluter Liebling von Stefan Wegners Lebensgefährtin Gabriele Dohr keine Rennen mehr bestreiten und in den wohlverdienten Ruhestand gehen wird.
Sport Welt, 19.02.2009